Retained Search vs Contingency Recruiting: Die zwei Recruiting-Honorarmodelle im Vergleich

Der zentrale Unterschied in einem Satz: Retained Search bezeichnet Recruitingmandate mit gestaffelter Anzahlung und exklusivem Suchauftrag – das Beratungsunternehmen erhält das Honorar in Raten unabhängig vom Besetzungserfolg. Contingency Recruiting (Erfolgshonorar) bezeichnet Mandate, bei denen das Honorar ausschließlich bei erfolgreicher Besetzung fällig wird, oft mit mehreren Anbietern parallel beauftragt. Diese zwei Modelle stehen für grundsätzlich unterschiedliche Recruiting-Philosophien und eignen sich für unterschiedliche Mandatstypen.

Die Unterschiede in vier Dimensionen

Erste Dimension – Honorarstruktur. Retained Search: Gestaffelte Anzahlung in drei Tranchen – typischerweise ein Drittel bei Mandatsstart, ein Drittel nach Vorstellung qualifizierter Kandidaten, ein Drittel bei Einstellung. Gesamthonorar typischerweise 30 bis 40 Prozent des Jahresbruttogehalts. Contingency: 100 Prozent erfolgsabhängig – nur bei Besetzung wird ein Honorar fällig, meist 15 bis 25 Prozent des Jahresbruttogehalts. Zweite Dimension – Exklusivität. Retained Search: Das Mandat wird exklusiv an eine Beratung vergeben. Diese investiert dafür tiefere Marktrecherche und längeren Sourcing-Aufwand. Contingency: Mehrere Anbieter können parallel beauftragt werden – wer zuerst einen passenden Kandidaten liefert, erhält das Honorar. Dritte Dimension – Methodik. Retained Search nutzt typischerweise Active Sourcing mit gezielter Direktansprache, tiefer Profilanalyse und mehrwöchiger Marktbearbeitung. Contingency nutzt oft schneller verfügbare Methoden: bestehende Datenbanken, Anzeigen-basierte Suche, Schnellkontakte aus dem Netzwerk. Vierte Dimension – Eignung. Retained Search eignet sich für Senior-, Leadership- und schwer besetzbare Rollen mit kleinem Kandidatenmarkt. Contingency eignet sich für Junior- und Mid-Level-Rollen mit größerem Kandidatenmarkt und höherer Verfügbarkeit.

Wann welches Modell sinnvoll ist

Retained Search ist die richtige Wahl, wenn das Profil eng definiert ist, der Kandidatenmarkt klein ist, die Position strategisch wichtig ist und Vertraulichkeit erforderlich ist. Typische Anwendungsfälle: Head of Sales, VP Sales, CRO, andere Executive-Rollen, hochspezialisierte Senior-Rollen wie Pharma-KAM oder Enterprise-AE für regulierte Märkte. Hier rechtfertigt die Tiefe der Beratungsleistung die höhere Investition. Contingency Recruiting funktioniert gut für Standardprofile mit großem Kandidatenpool, niedrigerer strategischer Bedeutung und kurzfristigem Bedarf. Typische Anwendungsfälle: Junior-SDR-Besetzungen, Mid-Level-AEs in nicht-spezialisierten Bereichen, Quereinstiegspositionen mit breiter Anforderung. Ein häufiger Fehler ist, Retained Search für Standardrollen einzusetzen – das verschwendet Budget. Der umgekehrte Fehler ist, Contingency für hochspezialisierte Rollen einzusetzen – die Tiefe der Suche reicht oft nicht aus.

Wie das Honorar konkret berechnet wird

Bei Retained Search wird das Honorar typischerweise auf Basis des erwarteten Jahresbruttogehalts des Kandidaten berechnet. Bei einem AE-OTE von 150.000 Euro und einem Retainer-Honorar von 30 Prozent entstehen 45.000 Euro Gesamthonorar, aufgeteilt in drei Tranchen zu je 15.000 Euro. Bei Contingency Recruiting wird das Honorar auf Basis des tatsächlichen Jahresbruttogehalts bei Einstellung berechnet. Bei einem Honorar von 20 Prozent und einem tatsächlichen Jahresgehalt von 130.000 Euro entstehen 26.000 Euro Gesamthonorar, fällig bei Einstellung. Viele Beratungen bieten heute Hybridmodelle: Kleine Anzahlung bei Mandatsstart (zur Sicherung der Verbindlichkeit beider Seiten), Restzahlung bei Einstellung. Diese Modelle kombinieren die Vorteile beider Welten – ausreichende Verbindlichkeit für tiefe Recherche, aber überwiegend erfolgsbasierte Vergütung.

Welches Modell bietet bessere Qualität?

Bei richtiger Auswahl ist Retained Search in Senior-Bereichen qualitativ überlegen, weil mehr Zeit und Aufmerksamkeit in die Marktrecherche fließen. Bei Standardrollen ist gutes Contingency Recruiting oft ausreichend und kosteneffizienter. Die Qualität hängt mehr vom konkreten Anbieter ab als vom Modell selbst.

Macht Saleshead Retained Search oder Contingency?

Saleshead arbeitet flexibel mit beiden Modellen, abhängig von der Mandatsart. Für Senior- und Leadership-Mandate empfehlen wir typischerweise Retained Search. Für Mid-Level-Sales-Besetzungen ist auch ein Hybridmodell oder reines Erfolgshonorar möglich.

Mehr zu spezialisierten Sales-Rollen findest du in unseren Benchmarks und Artikeln. Wenn aus der Recherche eine konkrete Besetzung wird, ist Saleshead darauf spezialisiert.

Sales Recruiting & Commercial Leadership

Moritz Blüml (hier mehr erfahren) besetzt seit über zehn Jahren Sales-, Key-Account- und Führungsrollen und hat mehr als 300 Vermittlungen persönlich durchgeführt und mehr als 2.000 Vermittlungen fachlich begleitet.

Sein Fokus: Vertriebsprofile, die nicht nur im Lebenslauf überzeugen, sondern beim Kunden Wirkung erzeugen, intern Akzeptanz schaffen und im Job wirklich liefern.

Autor

Moritz Blüml

Moritz Blüml

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